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Godesberger Programm
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Das Godesberger Programm war von 1959 bis 1989 das Parteiprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Ein auĂerordentlicher SPD-Parteitag in der Stadthalle von Bad Godesberg, heute ein Stadtbezirk Bonns, verabschiedete es mit groĂer Mehrheit am 15. November 1959. Mit diesem Grundsatzprogramm kam der Wandel der SPD von einer sozialistischen Arbeiterpartei hin zu einer Volkspartei zum Ausdruck. Zentrale Elemente des Godesberger Programms gelten bis heute â hierzu gehĂśren das Bekenntnis zur Marktwirtschaft und zur Landesverteidigung, die Formulierung von Grundwerten und der Anspruch, Volkspartei zu sein. Auf das Godesberger Programm folgte im Dezember 1989 das Berliner Programm.
Contents
⢠Vorgeschichte
⢠Inhalt
⢠Einleitung
⢠Grundwerte
⢠Grundforderungen
⢠Gegenentwßrfe
⢠Anpassung
⢠Anhang
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Vorgeschichte
UmbrĂźche seit 1925
Das Heidelberger Programm von 1925 war fßr die SPD bis zum Ende der 1950er Jahre als parteipolitisches Grundsatzprogramm verbindlich. Seit seiner Verabschiedung in der Mittelphase der Weimarer Republik hatten in Deutschland und Europa gravierende politische Umbrßche stattgefunden: Scheitern der ersten deutschen Republik, Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Teilung Deutschlands und Europas, Kalter Krieg, Stalinismus und Expansion des Kommunismus. Die Verfasser des Heidelberger Programms konnten diese Erschßtterungen nicht vorhersehen, sie erwarteten eine sozialistische Zukunft. Mehr noch: In vielen Punkten war dieses Programm kaum etwas anderes als eine Neuauflage des Erfurter Programms, das nach Ende des Sozialistengesetzes 1891 verfasst worden war. Die Formulierung einer revolutionären Perspektive stand neben gegenwartsbezogenen Reformforderungen.cite-ref-1[1]
Politik der SPD unter Kurt Schumacher
Kurt Schumacher, bis zu seinem Tod im August 1952 unumstrittener FĂźhrer der SPD in den Westzonen und in den Anfangsjahren der Bundesrepublik, lehnte Diskussionen um ein neues Grundsatzprogramm stets als unzeitgemäà ab. Was die Sozialdemokratie im Grundsatz wolle, âist uns allen klarâ â so Schumacher.cite-ref-2[2] Wichtiger war ihm die Formulierung einer deutlichen Alternative zur Regierungspolitik, insbesondere auf den Feldern der Deutschland- und AuĂenpolitik.
Schumacher war ein scharfer Gegner von BĂźndnissen mit Kommunisten. Seine Weimarer Erfahrungen mit dem Antiparlamentarismus der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone motivierten ihn zu dieser Haltung. Dennoch war Schumachers Denken und Reden von Begriffen des Marxismus geprägt, dem er als Instrument zur Analyse der Gesellschaft groĂe Bedeutung zumaĂ. Auch standen fĂźr ihn â wie fĂźr viele Sozialdemokraten â der Sozialismus als Gesellschaftsform und Sozialisierungen als Weg zu ihrer Durchsetzung nach den Erfahrungen des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs auf der Tagesordnung. Gleichzeitig betonte er nach 1945 die weltanschauliche Offenheit seiner Partei. Insbesondere Menschen, die aus christlichen Ăberzeugungen heraus den Sozialismus bejahten, forderte er auf, in der SPD ihr politisches Wirkungsfeld zu sehen. Der SPD kam in Schumachers Augen die fĂźhrende Rolle beim wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau zu, dies umso mehr, wenn es ihr gelingen wĂźrde, neben der Arbeiterschaft auch Angestellte, Beamte, Kleinhändler, Handwerker und Bauern anzuziehen.cite-ref-3[3]
Als Vorsitzender der Partei prägte Schumacher die Bejahung des Parlamentarismus und des Staates innerhalb der Partei sowie das unbedingte Bestehen auf inneren und äuĂeren Freiheiten der Deutschen. Letzteres brachte ihn und die SPD in Gegensatz zur Bundesregierung. Er warf ihr vor, das Politikziel der nationalen Einheit der Deutschen zugunsten einer Westbindung Westdeutschlands aufzugeben. Gemeinsame politische Institutionen Westeuropas wie den Europarat lehnte er als âkonservativ, klerikal, kapitalistisch und kartellistischâ ab. Insgesamt prägte er das Bild einer scharfen Opposition der SPD gegenĂźber wichtigen politischen Weichenstellungen im Nachkriegsdeutschland.cite-ref-4[4]
Opposition auf Bundesebene
Die im Mai 1949 gegrĂźndete Bundesrepublik Deutschland erlebte in den 1950er Jahren eine Zeit des raschen wirtschaftlichen Wiederaufbaus, Wirtschaftswunder genannt, und eine Politik der zunehmenden Westbindung, die von den Regierungen unter Bundeskanzler Konrad Adenauer vorangetrieben wurde. Auf Bundesebene dominierten die Unionsparteien, also Christlich Demokratische Union (CDU) und Christlich Soziale Union (CSU).
Die SPD war seit der ersten Bundestagswahl, bei der sie einen Sieg erwartet hatte, im Deutschen Bundestag auf die Oppositionsbank verwiesen, während sie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen und einigen Flächenstaaten die Regierung stellte. Auch die zweite Bundestagswahl im September 1953 ging aus Sicht der Sozialdemokraten enttäuschend aus â die SPD musste leichte prozentuale Verluste hinnehmen und blieb Oppositionspartei, während CDU und CSU erhebliche Wählerzugewinne verbuchen konnten. Als Reaktion auf diese Umstände intensivierten sich Ăberlegungen zur Formulierung und Verabschiedung eines neuen Grundsatzparteiprogramms.
Programmatische Vorarbeiten
Prinzipienerklärung der Sozialistischen Internationale
In kleineren Zirkeln und von der Gesamtpartei wenig beachtet begannen Programmdiskussionen bereits Anfang der 1950er Jahre. Vielfach bezogen sich die Teilnehmer dabei auf die Prinzipienerklärung der Sozialistischen Internationale, die im Jahr 1951 in Frankfurt am Main gegrĂźndet worden war und den europäischen Sozialisten nach 1945 erstmals eine programmatische Orientierung angeboten hatte. Die Präambel der Resolution Ăźber die âZiele und Aufgaben des Demokratischen Sozialismusâ äuĂerte deutliche Kritik am Kapitalismus und grenzte die Sozialisten von den Kommunisten ab. Ferner hob sie die unterschiedlichen Motivationen des Einzelnen fĂźr die UnterstĂźtzung der sozialistischen Ideen hervor â marxistische oder anders begrĂźndete Gesellschaftsanalysen, religiĂśse Werthaltungen und humanistische Ăberlegungen standen hier gleichrangig nebeneinander. SchlieĂlich behauptete sie, dass die Demokratie im Sozialismus ihre hĂśchste Form entfalten werde, der Sozialismus zugleich nur durch die Demokratie verwirklicht werden kĂśnne. Ein grĂśĂeres gesamtparteiliches Echo in der SPD blieb dieser Grundsatzerklärung jedoch versagt.cite-ref-5[5]
Dortmunder Aktionsprogramm von 1952
Unter der FederfĂźhrung von Willi Eichler, der sich innerparteilich bereits seit längerem fĂźr eine programmatische Erneuerung der SPD starkmachte, erarbeitete ab April 1952 ein von der ParteifĂźhrung eingesetzter zehnkĂśpfiger Ausschuss den Entwurf eines âAktionsprogrammsâ. Im September desselben Jahres verabschiedete der Dortmunder Parteitag der SPD diesen Entwurf als Dortmunder Aktionsprogramm einstimmig. Hintergrund war der sich bereits ankĂźndigende Wahlkampf fĂźr die Bundestagswahl, die ein Jahr später stattfinden sollte. Der erste Entwurf hatte aus der Sicht der Parteifunktionäre den Erfordernissen der Wahlagitation kaum GenĂźge getan und wurde daher vor dem Parteitag formal und inhaltlich erheblich modifiziert. Aber auch die verabschiedete Fassung hatte â so der Historiker Kurt Klotzbach â nur den âCharakter eines achtbaren Zeugnisses penibler praktischer Selbstverständigungâ.cite-ref-6[6] AuĂenwirkung und Interesse in der Ăffentlichkeit weckte es nicht. Die gemäĂigten Reformforderungen der Partei im eigentlichen Aktionsprogramm standen zudem unverbunden neben der apodiktisch-kritischen Gegenwartsbeschreibung des Vorworts, das noch Kurt Schumacher verfasst hatte, der im August 1952 verstorben war. Alle Versuche, die die Partei nach 1952 unternahm, um das Dortmunder Aktionsprogramm bekannt und populär zu machen, â hierzu gehĂśrten Fachkonferenzen, eine eigene Schriftenreihe und ein Handbuch sozialdemokratischer Politik, das das Programm umfangreich kommentierte â blieben ohne den gewĂźnschten Erfolg. Das Dortmunder Aktionsprogramm erreichte allein jene Funktionäre, die auch ohne ein solches Papier fest zur Partei standen.cite-ref-7[7]
Berliner Fassung des Aktionsprogramms von 1954
Nach der Niederlage bei der Bundestagswahl von 1953 intensivierte die ParteifĂźhrung um den neuen Vorsitzenden Erich Ollenhauer die BemĂźhungen, ein neues Parteiprogramm zu formulieren. Zunächst erarbeitete eine Studienkommission bis April 1954 die so genannten Mehlemer Thesen.cite-ref-8[8] Diese wurden anschlieĂend durch eine Kommission aus 60 Personen, wiederum unter Vorsitz von Willi Eichler, genutzt, um fĂźr den Berliner Parteitag von Juli 1954 das Dortmunder Aktionsprogramm zu Ăźberarbeiten und ihm eine Präambel mitzugeben. Der Parteitag verabschiedete diese Aktualisierung und Ergänzung. Der Sozialismus wurde dabei als âMenschheitszielâ bezeichnet. Er sei allerdings kein Endziel, sondern eine Daueraufgabe. Sozialistische Ideen seien ferner keine âErsatzreligionâ. Christentum, klassische Philosophie und Humanismus galten als Wurzeln der sozialistischen Gedankenwelt. Die Abkehr der SPD von der reinen Arbeiterpartei hin zur Volkspartei wurde bereits in diesem Parteitagsbeschluss von 1954 ausgefĂźhrt: âDie Sozialdemokratie ist aus einer Partei der Arbeiterklasse, als die sie erstand, zur Partei des Volkes geworden. Die Arbeiterschaft bildet dabei den Kern ihrer Mitglieder und Wähler.âcite-ref-9[9] Den wirtschaftspolitischen Abschnitt des Programms hatte Karl Schiller maĂgeblich beeinflusst. Seine bereits ein Jahr zuvor geprägte griffige Formel âSoviel Markt wie mĂśglich, soviel Planung wie nĂśtigâcite-ref-10[10] leitete den Unterabschnitt Ăźber âPlanung und Wettbewerbâ ein. Die SPD kehrte damit ihre Wertschätzung von plan- und marktwirtschaftlichen Prinzipien um; von nun an genoss der Markt die Priorität vor der Planung. Ăber Sozialisierungen wurde im Aktionsprogramm nicht mehr gesprochen. Es forderte allein die ĂberfĂźhrung der Grundstoffindustrie in Gemeineigentum mit dem Ziel der Vollbeschäftigung.cite-ref-11[11]
Entwurf des Grundsatzprogramms und Organisationsreform
Zu den Ergebnissen des Berliner Parteitags der SPD von 1954 gehĂśrte der Beschluss, eine Kommission einzusetzen, die das neue Parteiprogramm entwerfen sollte. Diese âGroĂe Programmkommissionâ aus 34 Personen nahm ihre Arbeit, die in fĂźnf UnterausschĂźssen stattfand und ebenfalls von Willi Eichler gesteuert wurde, im März 1955 auf. Die Programmarbeit kam dabei anfangs nur schleppend voran. Ein erster Streitpunkt war die Frage, ob das Grundsatzprogramm durch eine so genannte âZeitanalyseâ eingeleitet werden sollte oder nicht. Die Aufgabe einer solchen Analyse wäre die wissenschaftlichen AnsprĂźchen genĂźgende Beschreibung der Gesellschaft und der Gegenwart aus Sicht der Partei gewesen sowie eine geschichtsphilosophische Prognose. Die Diskussion darĂźber verlief zäh und wirkte auch auf Beteiligte gelegentlich ermĂźdend. Aufstrebende Parteipolitiker wie Herbert Wehner, Fritz Erler oder Willy Brandt hielten sich in dieser Phase der Programmentwicklung zurĂźck. Sie konzentrierten sich stattdessen darauf, wichtige organisatorische und personelle Veränderungen vorzubereiten. Das Ziel dieser Pläne war die Beseitigung der EinflĂźsse des âBĂźrosâ, also des Parteiapparats der hauptamtlichen Funktionäre des Parteivorstands. Die Reformer in der Partei strebten danach, dem âApparatâ allein die notwendigen Verwaltungsaufgaben zuzuweisen. Die Parteispitze selbst sollte die politische Richtung formulieren. Diese Veränderung gelang auf dem Stuttgarter Parteitag von Mai 1958. Der Einfluss der hauptamtlich Besoldeten ging zurĂźck durch den Beschluss, als Zentrum der ParteifĂźhrung aus der Mitte des Parteivorstands das so genannte Präsidium zu wählen. Zu Stellvertretern Ollenhauers wurden Ăźberdies Wehner und Waldemar von Knoeringen gewählt. Bereits im Oktober 1957 hatten die Reformer in der SPD einen Etappensieg verzeichnet. Bei der Neuwahl des Vorstands der SPD-Fraktion im Bundestag setzen sich drei ihrer profiliertesten Vorderleute durch: Wehner, Erler und Carlo Schmid lĂśsten die als Traditionalisten geltenden Erwin Schoettle und Wilhelm Mellies im Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden ab und bestimmten fortan die Grundlinien der Fraktionsarbeit.
Eine Ursache fĂźr diese Entscheidungen des Stuttgarter Parteitags waren die Vorarbeiten der Reformer. Wichtiger war dafĂźr allerdings der Schock, den das Ergebnis der Bundestagswahl von 1957 auslĂśste. Die Unionsparteien holten die absolute Mehrheit. Adenauers Popularität war ungebrochen. Ihm war kurz zuvor die Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik gelungen. Zudem erwies sich die Rentenreform als wahlwirksamer Schachzug. Die Niederschlagung des Ungarnaufstandes wusste der Bundeskanzler zudem gegen die SPD auszulegen. All diese Faktoren wirkten aus der Sicht der SPD negativ und bescherten ihr ein Ergebnis von knapp 31,8 Prozent der Wählerstimmen. In den FĂźhrungskreisen der SPD kursierten pessimistische Zukunftserwartungen. Die Bundesrepublik steuere durch die Dominanz der Union auf einen Einparteienstaat zu nach dem Muster von George Orwells Roman 1984. Hamburger Sozialdemokraten hielten die âGefahr des klerikohalbfaschistischen Staatesâ fĂźr gegeben. Es drohe eine innenpolitische Faschisierung.cite-ref-12[12] Die nachhaltige Wirkung dieses Wahlergebnisses steigerte die Anstrengungen, ein neues Grundsatzprogramm vorzulegen.
Eichler hatte aus den EntwĂźrfen der Unterkommissionen im April 1958 einen ersten Gesamtentwurf zusammengestellt und dem Parteitag vorgelegt. Im Sommer wurde dieser in Stuttgart in erster Lesung diskutierte Entwurf an alle Parteimitglieder verschickt. AnschlieĂend begann ein breiter innerparteilicher Diskussionsprozess mit einer Intensität, die viele in der ParteifĂźhrung Ăźberraschte. Das Interesse griff erstmals Ăźber die Zirkel der Wenigen aus, die sich bereits seit Jahren mit Programmfragen befasst hatten. Insbesondere Eichler und Heinrich Deist, ein Vordenker aktualisierter wirtschaftspolitischer Grundsätze der SPD,cite-ref-13[13] diskutierten den Entwurf auf mehreren hundert Parteiveranstaltungen mit den Mitgliedern. Viele Genossen äuĂerten auf diesen Treffen ihre Unzufriedenheit mit der Textlänge. Aus diesem Grund setzte der Parteivorstand, der nun die ZĂźgel der Programmdiskussion in die Hand nahm, im Februar eine so genannte Redaktionskommission ein, der der Journalist Fritz Sänger vorstand. Diese kĂźrzte den von Eichler vorgelegten Entwurf deutlich. Zugleich entfernte sie â wie es hieĂ â âverbalradikale Restbeständeâ. AuĂerdem wurde die umstrittene Zeitanalyse fallengelassen. Im Juni 1959 legte Sänger dem Parteivorstand die Ăberarbeitung vor. Vier Personen â Eichler, Sänger, Ollenhauer und Benedikt Kautsky, Sohn von Karl Kautsky â feilten anschlieĂend erneut am Entwurf. Der Rechtsexperte Adolf Arndt integrierte ein deutlicheres Bekenntnis der Partei zum Grundgesetz, während Erler, Fachmann fĂźr Wehrfragen, eine Stellungnahme zur Landesverteidigung einfĂźgte. Die gestrichene Zeitanalyse wurde durch eine Einleitung, die Sänger und Heinrich Braune verfassten, ersetzt. Der Parteivorstand beschloss am 3. September 1959, die vorliegende Fassung auf dem Godesberger auĂerordentlichen Parteitag von November 1959 einzubringen.cite-ref-14[14]
Godesberger Parteitag 1959
Der in der Stadthalle von Bad Godesberg vom 13. bis 15. November 1959 tagende auĂerordentliche Parteitag der SPD befasste sich ausschlieĂlich mit der Frage eines neuen Grundsatzprogramms. Ollenhauer erĂśffnete vor den 340 stimmberechtigten Delegierten und 54 mit beratender Stimme anwesenden Funktionären den Parteitag und stellte dabei klar, dass das neue Programm keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebe, sondern als politisches Programm einer politischen Partei zu verstehen sei.
Zu Beginn der Aussprache stand die Frage an, ob die Beschlussfassung Ăźber den Programmentwurf zu vertagen sei. Ein Antrag von Parteitagsdelegierten aus Bremen forderte eine solche Verschiebung, weil die Zeit bis zum Parteitag nicht gereicht habe, um den letzten, den nun vorliegenden Entwurf des Parteivorstands ausfĂźhrlich zu diskutieren. Dieser Antrag fand keine Mehrheit.
Im Verlauf des Parteitags zeigte sich, dass die Kritiker des Entwurfs, die sich auf dem linken ParteiflĂźgel fanden, deutlich in der Minderheit und zudem in sich zerstritten waren. Zwei Gegenstände des neuen Programms erzeugten intensivere Debatten. Zum einen verlangte eine Reihe von Delegierten Ănderungen im Abschnitt Ăźber âEigentum und Machtâ. Der Ortsverein Backnang forderte die ĂberfĂźhrung von SchlĂźsselindustrien in Gemeineigentum â diesem Antrag stimmten immerhin 69 Delegierte des Parteitags zu. 89 Delegierte votierten fĂźr den Antrag des Bezirks Hessen-SĂźd, der die SchutzwĂźrdigkeit des Privateigentums nur dann festgeschrieben sehen wollte, wenn dieser Schutz eine gerechtere Sozialordnung nicht behindere. Zum anderen entfachte die Neufassung des Verhältnisses zu den Kirchen eine grĂśĂere Kontroverse. Das neue Programm sprach hier von einer âfreien Partnerschaftâ. Das ging vielen Delegierten zu weit. Viele Mitglieder und Funktionäre hatten ein traditionell angespanntes Verhältnis zu den Kirchen und ihren Repräsentanten. Ăberdies engagierten sich nicht wenige Sozialdemokraten in Freidenkervereinigungen. Allein der Appell an die Geschlossenheit der Partei bewahrte den Parteivorstand in dieser Frage vor einer Niederlage.
Veränderungen gegenĂźber dem Entwurf des Parteivorstands gab es nur in Details. Eine Redaktionskommission um Fritz Sänger arbeitete diese Details ein. Am 15. November verabschiedete der Parteitag den Programmentwurf mit 324 gegen 16 Stimmen. Dem Engagement von zwei Personen wird dieses Ergebnis in besonderem MaĂe zugeschrieben. Herbert Wehner setzte sich vehement fĂźr die Verabschiedung des neuen Grundsatzprogramms ein. Von marxistischem Gedankengut solle man sich verabschieden. Mehrfach gebrauchte er in diesem Zusammenhang seine berĂźhmt gewordene BeschwĂśrungsformel âGlaubt einem Gebrannten!â.cite-ref-15[15] Die Parteilinke Ăźberraschte Wehners Position, wähnte sie ihn doch vor dem Parteitag in den Reihen der Kritiker des Programmentwurfs. Auch Ollenhauer war mit ausschlaggebend. Aus Loyalität zum Parteivorsitzenden stimmten viele Delegierte dem Programm zu, selbst wenn sie nicht mit allen Punkten einverstanden waren.cite-ref-16[16]
Inhalt
Einleitung
Das Godesberger Programmcite-ref-17[17] gliedert sich in sieben Teile, denen eine Einleitung vorangestellt ist.cite-ref-18[18] Diese thematisiert den âWiderspruch unserer Zeitâ, der darin bestĂźnde, die zivile Nutzung der Atomkraft zu ermĂśglichen, zugleich aber dem Risiko eines Atomkrieges ausgesetzt zu sein. Der demokratische Sozialismus erstrebe eine âneue und bessere Ordnungâ. Sie solle allen in friedlichen Verhältnissen einen gerechteren Anteil am gemeinsam geschaffenen Reichtum verschaffen.
Grundwerte
Der erste Abschnitt widmet sich den so genannten âGrundwerten des Sozialismusâ â Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Der demokratische Sozialismus habe drei ideengeschichtliche Wurzeln: die christliche Ethik, den Humanismus und die klassische Philosophie. Der Hinweis auf eine weitere Wurzel, den Marxismus, fehlt, obwohl diese Wurzel in allen vorangegangenen Grundsatzprogrammen die entscheidende Rolle gespielt hatte. Die SPD, so das Godesberger Programm, wolle keine âletzten Wahrheitenâ verkĂźnden, das die Partei einigende Band seien die Grundwerte und das gemeinsame Ziel des demokratischen Sozialismus. Sozialismus sei dabei nicht das Endziel historischer Entwicklungen, sondern die dauernde Aufgabe, âFreiheit und Gerechtigkeit zu erkämpfen, sie zu bewahren und sich in ihnen zu bewährenâ.
Grundforderungen
Der zweite Abschnitt stellt âGrundforderungenâ vor. Krieg wird als Mittel der Politik abgelehnt. Eine âinternationale Rechtsordnungâ solle das Zusammenleben der VĂślker regeln. Kommunistische Regime werden abgelehnt, weil der Sozialismus nur durch Demokratie verwirklicht werden kĂśnne. Die Demokratie sei nicht nur durch Kommunisten gefährdet. Jede Macht, auch wirtschaftliche Macht, mĂźsse Ăśffentlich kontrolliert werden, geschehe dies nicht, sei Demokratie ebenfalls gefährdet. Aus diesem Grund erstrebe der demokratische Sozialismus eine neue Wirtschafts- und Sozialordnung.
Aussagen zur staatlichen Ordnung und zur Landesverteidigung
AusdrĂźcklich bekannte sich die SPD mit dem dritten Abschnitt des Godesberger Programms zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Daraus leite sich das Eintreten fĂźr die nationale Einheit der Deutschen ab und zugleich das Bekenntnis zur Landesverteidigung. In diesem Zusammenhang wurden eine atomwaffenfreie Zone in Europa und Schritte der AbrĂźstung gefordert.
Wirtschafts- und Sozialordnung
Der vierte Abschnitt, der sich mit der âWirtschafts- und Sozialordnungâ befasst, ist der längste. Die Schillersche Formel âWettbewerb soweit wie mĂśglich, Planung soweit wie nĂśtig!â ging in das Programm ein und prägte die Aussagen zur Wirtschafts- und Sozialordnung. Ein stetiger wirtschaftlicher Aufschwung und die Chance auf allgemeinen Wohlstand fĂźr alle wĂźrden durch die zweite industrielle Revolution sichergestellt werden. Aufgabe der staatlichen Wirtschaftspolitik sei es, diese WohlstandsmĂśglichkeiten durch vorausschauende Konjunkturpolitik auf Basis einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und eines Nationalbudgets zu verwirklichen. Weitere Beeinflussungen des Marktgeschehens hätten jedoch zu unterbleiben, denn âfreier Wettbewerb und freie Unternehmerinitiative [seien] wichtige Elemente sozialdemokratischer Wirtschaftspolitikâ. Wenn private wirtschaftliche Macht zur Gefahr fĂźr den Wettbewerb und die Demokratie zu werden drohe, sei Ăśffentliche Kontrolle durch Investitionskontrollen, durch Kartellgesetze und durch den Wettbewerb von privaten und gemeinwirtschaftlichen Unternehmen geboten. Allein wenn eine âgesunde Ordnung der wirtschaftlichen Machtverhältnisseâ nicht gewährleistet werden kĂśnne, habe Gemeineigentum Berechtigung. Von Sozialisierungen spricht das Godesberger Programm nicht. Auch die Forderung nach Sozialisierung des Bergbaus, ein Jahr zuvor von der Partei angesichts der beginnenden Bergbaukrise in Deutschland erhoben, fand sich nicht in diesem Programmabschnitt.cite-ref-19[19] Innerhalb der Betriebe mĂźsse es eine wirksame Mitbestimmung geben. Der Demokratisierungsprozess dĂźrfe vor den Betrieben nicht haltmachen. Auch hier mĂźsse es mehr MitgestaltungsmĂśglichkeiten geben: âDer Arbeitnehmer muĂ aus einem Wirtschaftsuntertan zu einem WirtschaftsbĂźrger werdenâ â so das Programm. FĂźr die freie und eigenverantwortliche Entfaltung des Einzelnen habe die Sozialpolitik die Grundlagen zu schaffen.
Kulturelles Leben
Der fĂźnfte Abschnitt thematisiert âdas kulturelle Lebenâ. Die Aussagen dieses Programmteils dienten vor allem einer Veränderung des Verhältnisses von Partei und Kirchen. In der Interaktion dieser Institutionen sei die âgegenseitige Toleranzâ aus der Position einer âfreien Partnerschaftâ geboten. Ferner formuliert das Programm knapp: âDer Sozialismus ist kein Religionsersatz.â
Internationale Gemeinschaft
Im sechsten Abschnitt präsentierte die Partei ihre Vorstellungen Ăźber die âinternationale Gemeinschaftâ. Dabei griff sie Forderungen auf, die sie bereits seit Jahrzehnten vortrug. Die Sicherung der Freiheit und die Bewahrung des Friedens seien hier die vorrangigen Ziele. Hierzu zählten die Forderung nach allgemeiner AbrĂźstung und internationalen Schiedsgerichten. Die Vereinten Nationen sollen zu einem wirksamen Garanten des Friedens werden. Ăberdies hätten Entwicklungsländer Anspruch auf Solidarität und uneigennĂźtzige Hilfe der reicheren VĂślker.
RĂźckblick und Perspektive
Im Schlussabschnitt mit der Ăberschrift Unser Weg wird der Blick zunächst zurĂźckgeworfen auf die Geschichte der Arbeiterbewegung. FrĂźher âAusbeutungsobjekt der herrschenden Klasseâ, habe der Arbeiter in Jahrzehnten dabei seinen anerkannten Platz als gleichberechtigter StaatsbĂźrger erstritten. Der Kampf der Arbeiterbewegung sei ein Kampf fĂźr die Freiheit aller gewesen. Aus diesem Grund sei die Sozialdemokratie âaus einer Partei der Arbeiterklasse zu einer Partei des Volkes gewordenâ. Die Aufgabe des demokratischen Sozialismus sei damit aber noch nicht erfĂźllt, denn die kapitalistische Welt sei nicht in der Lage, âder brutalen kommunistischen Herausforderung das Ăźberlegene Programm einer neuen Ordnung politischer und persĂśnlicher Freiheit und Selbstbestimmung, wirtschaftlicher Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit entgegenzustellenâ und zugleich die Emanzipationsbestrebungen der Entwicklungsländer zu berĂźcksichtigen. Die âHoffnung der Weltâ sei hier der demokratische Sozialismus, der eine âmenschenwĂźrdige Gesellschaftâ anstrebe, âfrei von Not und Furcht, frei von Krieg und UnterdrĂźckungâ.
GegenentwĂźrfe
Entwurf von Wolfgang Abendroth
Wolfgang Abendroth, in den Nachkriegsjahren einer der wenigen westdeutschen Marxisten mit Lehrstuhl an einer Universität (Philipps-Universität Marburg), bemßhte sich in der SPD darum, die Partei auf Beibehaltung marxistischer Grundpositionen zu verpflichten.cite-ref-20[20] Aus diesem Grund beteiligte er sich intensiv an den Debatten ßber eine Neufassung des Grundsatzprogramms. Nach sechsjähriger Mitarbeit in den Programmkommissionen schickte er Eichler am 15. April 1959 einen Gegenentwurf zu. Dieser orientierte sich grundlegend an den Positionen von Karl Marx und Friedrich Engels.
Bereits mit dem ersten Kapitel seines Gegenentwurfs markierte Abendroth den wesentlichen Unterschied zum späteren Godesberger Programm. Dieses Kapitel â âDie gesellschaftliche Lage im kapitalistisch organisierten Teil der Weltâ genannt â ging von der anhaltenden Monopolisierung und Konzentration des Kapitals aus. Eine kleine Gruppe von Kapitalisten und von ihnen bestellte Manager dirigiere die kĂśrperliche und geistige Arbeit der BevĂślkerungsmehrheit. AnsprĂźche dieser Mehrheit nach gleichberechtigter Mitwirkung an der Steuerung des âgesellschaftlichen Arbeitsprozessesâ wĂźrden von dieser Machtgruppe erfolgreich abgewehrt, ebenso wie alle Forderungen nach vollem Anteil am materiellen und kulturellen Fortschritt. Der Zusammenschluss zu finanzkapitalistischen BlĂścken sowie die Monopolisierungstendenz insgesamt verhinderten demokratische Kontrollversuche. Der Staat verschmelze vielmehr mit den Interessen dieser Ăźbermächtigen Kapitalistengruppe. Ăffentliche Gewalt kĂśnne daher stets in den Dienst ihrer Sonderinteressen gestellt werden.
Auf Ănderung dieses Zustands sei nur zu hoffen, wenn der âKampf der Arbeitnehmerâ um die Verteidigung und Verbesserung ihrer Lebenslage sowie um die EinfĂźhrung der sozialistischen Produktionsweise erweitert werde zum âKampf um die Staatsmachtâ. Nach Abendroth schlieĂe das Grundgesetz den friedlichen Ăbergang zum Sozialismus keineswegs aus. Notwendig sei dafĂźr die âMobilisierung der Arbeiterklasseâ. Ein solches Vorgehen habe Aussichten, wenn die Klassenverhältnisse in der Gesellschaft und im politischen System der Bundesrepublik analytisch herausgearbeitet und den Massen vermittelt werden wĂźrden. Die Aufklärung der Massen Ăźber die wirklichen Klassenstrukturen werde durch manipulativ agierende ParteifĂźhrungsschichten in der SPD allerdings sabotiert.
Abendroth erzielte mit seinem Gegenentwurf parteiintern kaum ein Echo. Nur der Unterbezirk Marburg und der Ortsverein aus Senne bezogen sich auf ihn. Der Parteitag diskutierte nicht ßber die entsprechenden Anträge. Abendroth selbst war es nicht gelungen, ein Mandat fßr den Godesberger Parteitag zu erhalten.
Gegenentwurf von Peter von Oertzen
Ein weiterer Gegenentwurf kam von Peter von Oertzen, auch er ein Vertreter des linken ParteiflĂźgels.cite-ref-21[21] Am 8. November 1959 unterrichtete von Oertzen einige Parteifreunde davon, dass er einen Alternativentwurf konzipiert habe. Diesen legte er bewusst als Kompromiss an, âdie schlimmsten Eckenâ des Vorstandsentwurfs wollte er damit ausbĂźgeln. Abendroths Gegenentwurf war ihm bekannt, er lehnte ihn jedoch ab. Inhaltlich sei der Abendroth-Entwurf zwar richtig, Form, Gedankengang und Argumentationsweise waren ihm allerdings zu dogmatisch.
Peter von Oertzen beharrte auf der traditionellen Trias Freiheit, Gleichheit, BrĂźderlichkeit. Diese sei dem neuen Grundwerte-Dreiklang âFreiheit, Gerechtigkeit, Solidaritätâ vorzuziehen. Die Schillersche Formel vom Primat des Marktes gegenĂźber der Planung strich von Oertzen nicht. Er stellte allerdings einen Sozialisierungskatalog fĂźr eine Reihe von Industriezweigen auf. Energieerzeugende Unternehmen vor allem der Atomwirtschaft, die Montanindustrie, Unternehmen der GroĂchemie, GroĂbanken, Versicherungsgesellschaften sowie marktbeherrschende Unternehmen anderer Branchen seien reif fĂźr entsprechende MaĂnahmen. AuĂerdem formulierte von Oertzen einen Abschnitt Ăźber die Demokratisierung der Wirtschaft.
Die Initiative von Oertzens kam zu spät, um in den Beratungen des Parteitags Beachtung zu finden. Sein Redebeitragcite-ref-22[22] erzeugte keinen Meinungswandel der Delegiertenmehrheit. Peter von Oertzen blieb einer der 16 Delegierten, die dem Godesberger Programm ihre Stimme versagten.
Reaktionen und Wirkungen
Reaktionen fĂźhrender SPD-Politiker
Viele fĂźhrende Politiker in der SPD begrĂźĂten das neue Grundsatzprogramm ausdrĂźcklich. Willy Brandt etwa hielt es fĂźr eine âzeitgemäĂe Aussageâ, die die praktische Arbeit der Partei fĂśrdere. Den Gegnern der SPD werde es erschwert, sie mit verzerrenden Aussagen anzugreifen, anstatt sich ernsthaft mit der Sozialdemokratie auseinanderzusetzen. Das Grundsatzprogramm porträtiere die SPD zudem als âkämpferisch demokratische Freiheitsbewegungâ. AuĂerdem seien in einer Reihe wichtiger Punkte Klärungen erfolgt, so im Verhältnis zu den Kirchen, zum Staat und zur Landesverteidigung.cite-ref-23[23] Willi Eichler betonte und begrĂźĂte, dass Grundwerte ausdrĂźcklich formuliert worden seien und unter ihnen die Freiheit die zentrale Rolle spiele. Carlo Schmid stellte heraus, der Sozialismus sei gemäà dem Godesberger Programm keine Weltanschauung und schon gar keine Ersatzreligion mehr. Obwohl es noch Klassen gebe, sei Klassenkampf nicht mehr nĂśtig, denn der Staat bewirke den Ausgleich der Klasseninteressen. Erler begrĂźĂte insbesondere das veränderte Verhältnis zu den Kirchen und dass manches aus dem 19. Jahrhundert âaufgeräumtâ worden sei.cite-ref-24[24]
Innerparteiliche Kritik
Innerparteiliche Kritik blieb die Ausnahme und war auf den kleinen Kreis traditionell argumentierender Marxisten begrenzt. Abendroth missfiel beispielsweise die LoslĂśsung von den traditionell marxistischen Grundvorstellungen. Auf eine kritische Analyse von Gesellschaft und Staat werde im neuen Programm gänzlich verzichtet. Zentrale âBewegungsgesetze und WidersprĂźcheâ blieben darum verborgen und damit auch die Ansatzpunkte fĂźr die âZielsetzung, Strategie und Taktik der Parteiâ. Von ihrer Erziehungsaufgabe, ihrer Pflicht zur FĂśrderung des Klassenbewusstseins wende sich die SPD ab.cite-ref-25[25]
Peter von Oertzen blieb gleichfalls auf Distanz zum neuen Programm. Es richte die Partei âeinseitig auf die parlamentarische Auseinandersetzung ausâ. Es verwische âdie Klassenlage und die Klasseninteressen der Arbeitnehmerschaftâ, in diesem Zusammenhang seien auch die Angebote an den selbständigen Mittelstand âfragwĂźrdigâ. Zudem wies von Oertzen darauf hin, dass das Programm insgesamt von einem kaum gerechtfertigten wirtschaftlichen Optimismus getragen sei. âDie Verfasser glauben im Grunde nicht an die MĂśglichkeit ernsthafter konjunktureller RĂźckschlägeâ â so von Oertzen.cite-ref-26[26]
Reaktion der CDU und der FDP
Die CDU behauptete Ăźberwiegend, das neue Grundsatzprogramm der SPD sei nur ein ManĂśver der Tarnung wahrer Absichten. Das strategische Ziel einer âmarxistischen Machtergreifungâ sei unverändert. Im Godesberger Programm seien groĂe Spielräume gelassen worden fĂźr weitgehende Reglementierungen von Wirtschaft und Gesellschaft. Sorgen machte der Union jedoch das Toleranz- und Partnerschaftsangebot der SPD an die Kirchen. Die Union riet den Kirchen daher, die angeblich antichristliche Einstellung der Sozialdemokratie nicht zu vergessen. Einige Christdemokraten intervenierten bei Geistlichen, damit SPD-Inserate nicht in Kirchenzeitungen erschienen. 1960 kam es auf dem CDU-Parteitag von Karlsruhe zu einer Auseinandersetzung zwischen Adenauer und Eugen Gerstenmaier, damals Bundestagspräsident. Dieser legte den Delegierten nahe, auf Basis des neuen Programms der SPD die Gemeinsamkeiten von SPD und CDU in der Gesellschafts-, Sozial- und Wirtschaftspolitik zu prĂźfen. Adenauer reagierte mit deutlichen Worten. Er hielt das SPD-Programm fĂźr ein reines AblenkungsmanĂśver und widersprach allen Ăberlegungen zu einer gemeinsamen Politik.cite-ref-27[27]
Die Freie Demokratische Partei (FDP) hielt allein die Haltung der SPD zur staatlichen Ordnung und zur Landesverteidigung fĂźr Schritte in die richtige Richtung. Sie erblickte dagegen in den wirtschaftspolitischen Ăberlegungen des Godesberger Programms eine âgetarnte Sozialisierungszeitbombeâ. Eine SPD-Regierung werde sich nicht scheuen, das Privateigentum der BĂźrger anzutasten.cite-ref-28[28]
Echo in fĂźhrenden Zeitungen
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) notierte, die SPD habe eine Reihe von Blockaden beseitigt, die den Weg zu den Wählern verstellten. Ein Wandel von der Arbeiterpartei zu einer Partei fĂźr Arbeitnehmer sei erkennbar. Die wirtschaftspolitischen Aussagen des Godesberger Programms blieben der FAZ jedoch suspekt. Zentralwirtschaftliche Lenkungsversuche seien durch eine SPD-Regierung nicht auszuschlieĂen. Auch Die Welt wies darauf hin, dass der wirtschaftspolitische Abschnitt des Programms viele Spielräume lieĂe. Sie erblickte in den sonstigen Programmaussagen jedoch ebenfalls eine deutliche Annäherung der Partei an Staat, Kirche, Armee und Marktwirtschaft. Die Frankfurter Rundschau, insbesondere Conrad Ahlers, kritisierte die Offenheit der wirtschaftspolitischen Aussagen nicht. Es mĂźsse hier nicht letzte Klarheit geben, wichtig sei vielmehr, dass der Geist der Zeit getroffen sei. Die SPD wolle die bestehende Ordnung nicht umstĂźrzen, sondern sie in eine wehrhafte soziale Demokratie umgestalten.cite-ref-29[29]
Die SPD auf dem Weg zur Macht
Die programmatische Neuorientierung der Partei war ein Faktor, der zur veränderten Üffentlichen Wahrnehmung der SPD beitrug. Sie wurde immer weniger als unversÜhnliche Oppositionspartei angesehen. Das landesväterliche, repräsentative, populäre und gelegentlich ßberparteiliche Auftreten fßhrender Sozialdemokraten in den Ländern, zu denen etwa Max Brauer, Wilhelm Kaisen, Hinrich Wilhelm Kopf, Georg-August Zinn und Willy Brandt gehÜrten, unterstßtzte diesen Eindruck.cite-ref-30[30]
Die Annäherung an gesinnungsethische Protestanten gelang bereits im gemeinsamen Engagement gegen die Wiederbewaffnung und in der Bewegung Kampf dem Atomtod. Dass evangelische Christen aus dem Bßrgertum die SPD als ihr Wirkungsfeld betrachten konnten, demonstrierten die Parteieintritte von Gustav Heinemann, Johannes Rau oder Erhard Eppler, die aus der Gesamtdeutschen Volkspartei kamen.cite-ref-31[31] Der lang ersehnte Einbruch in das Milieu der katholischen Arbeitnehmerschaft erfolgte allerdings nur nach und nach. Im Ruhrgebiet brauchte es hierfßr die Krise der Eisen- und Stahlindustrie, die Mitte der 1960er Jahre einsetzte.cite-ref-32[32]
Auf Bundesebene entschied die SPD, sich nicht als kompromissloser Widerpart der Regierungsparteien aufzustellen, sondern als âbessere Parteiâ. Sie legte Wert darauf, Gemeinsamkeiten mit der Regierung herauszustellen und sprach von ihrer Gemeinsamkeits-Politik.cite-ref-33[33] Ein erster Meilenstein dieser Entwicklung war die Aufsehen erregende auĂenpolitische Rede Wehners vor dem Bundestag am 30. Juni 1960, in der er den Kurswechsel der SPD in der AuĂen-, Deutschland- und BĂźndnispolitik formulierte. Die SPD beendete hier den Dauerkonflikt mit der Regierung. Sie tolerierte und unterstĂźtzte fortan die Westbindung der Bundesrepublik.cite-ref-34[34] Nach links zog die Partei deutliche Grenzen, indem sie sich 1961 vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund trennte. Auch AusschlĂźsse prominenter Linker aus der SPD signalisierten den Trennungsstrich zum Marxismus. Von entsprechenden BeschlĂźssen waren zum Beispiel Wolfgang Abendroth, sein akademischer Kollege Ossip K. Flechtheim und Viktor Agartz, ein lange Jahre einflussreicher Gewerkschafter, betroffen.cite-ref-35[35] Bereits am 5. Februar 1960 hatte der SPD-Vorstand beschlossen, auch andere studentische Vereinigungen zu unterstĂźtzen, âwenn sie das Godesberger Programm der SPD anerkennen.â Am 9. Mai 1960 wurde mit UnterstĂźtzung der SPD der Hochschulverband Sozialdemokratischer Hochschulbund (SHB) gegrĂźndet, der sich, anders als der SDS, ausdrĂźcklich zum Godesberger Programm bekannte.cite-ref-fichter-36-0[36]
In den 1960er Jahren wuchs der Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen stetig. Die Wählerschaft setzte sich im Kern weiterhin aus Arbeitern zusammen. Die Partei erreichte aber auch weitere BevĂślkerungskreise nachhaltig. Die Behauptung des Godesberger Programms, die SPD sei eine Volkspartei geworden, lieĂ sich mehr und mehr auch aus ihrer Wählerstruktur ableiten. Das politische Gewicht der SPD verstärkte sich damit. 1966 gelang ihr mit der Bildung der GroĂen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger der Eintritt in die Regierung. 1969 verwies sie mit der Bildung der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt die Unionsparteien auf die Oppositionsbank und bei der Bundestagswahl von 1972 zog sie schlieĂlich mehr Wählerstimmen auf sich als die Union.
Programmatische Ergänzungen und Erneuerungen
Diskussionen bis Ende der 1960er Jahre
In den 1960er Jahren hatten Programmdiskussionen insgesamt eine nur geringe Bedeutung. Die Partei ergänzte fĂźr einige Politikbereiche die Hauptaussagen des Godesberger Programms. Die wichtigsten Zusätze bezogen sich auf die Bildungspolitik, die Rechtspolitik und die Deutschlandpolitik. Mit ihren âBildungspolitischen Leitsätzenâ konturierte die ParteifĂźhrung 1964 ihre Vorstellungen zur Bildungsreform der 1960er und 1970er Jahre. 1968 verabschiedete der SPD-Parteitag in NĂźrnberg eine âRechtspolitische Plattformâ. Die Partei forderte hier die Einschränkung des politischen Strafrechts, betonte die Gedanken der Resozialisierung und der Kriminalprävention und warb fĂźr eine Reform der Justiz, die diese durchschaubarer und effizienter machen sollte. In der Deutschland- und Ostpolitik suchte die Partei nach neuen Wegen. AuslĂśser war der Schock, den im August 1961 der Bau der Berliner Mauer auslĂśste. Die Nicht-Anerkennung der DDR sollte genauso Ăźberwunden werden wie die Ablehnung der Oder-NeiĂe-Grenze als deutsche Ostgrenze. 1968 billigte der SPD-Parteitag in NĂźrnberg die âSozialdemokratischen Perspektiven im Ăbergang zu den siebziger Jahrenâ. Die gemachten Erfahrungen in der Regierung, die jĂźngeren SPD-Konzepte fĂźr die verschiedenen Politikbereiche und die erwarteten Zukunftsperspektiven sollten mit diesem Papier auf Basis der Godesberger Programmaussagen zusammengefasst werden. GrĂśĂere Bedeutung erlangte diese Synthese allerdings nicht, denn praktische Fragen der Politik â dazu zählten die Debatte um die Notstandsgesetze, die Zustimmung zur GroĂen Koalition und das Verhältnis zum Deutschen Gewerkschaftsbund â dominierten die Diskussion. FĂźr die am Ende der 1960er Jahre sich wieder stärker artikulierenden Linken fĂźhrten die âPerspektivenâ Ăźberdies in die falsche Richtung. Den Pragmatikern ging dagegen das MaĂ an gesamtgesellschaftlicher Analyse, das sich in den âPerspektivenâ fand, zu weit.cite-ref-37[37]
Orientierungsrahmen 85
Die 1970er Jahre erlebten intensive Programmdiskussionen mit weiter Ausstrahlung in die Partei. Die SPD war bestrebt, eine mittelfristige politische Konzeption fßr die nächsten 10 bis 15 Jahre zu entwickeln. Der erste Entwurf des so genannten Orientierungsrahmens, entwickelt seit Anfang der 1970er Jahre unter der Leitung von Helmut Schmidt, Hans Apel und Jochen Steffen, fiel 1973 innerparteilich durch. Die Jusos und Vertreter der Parteilinken kritisierten die fehlende sozialistische Perspektive.
Eine neue, auf 30 Personen erheblich vergrĂśĂerte Kommission unter Vorsitz von Peter von Oertzen entwickelte einen zweiten Entwurf. Schmidt und Sozialdemokraten wie Hans-Jochen Vogel, die sich im âGodesberger Kreisâ organisierten, warnten allerdings davor, die programmatischen Fundamente zu verändern. Sie fĂźrchteten eine Verengung und Dogmatisierung der theoretischen Grundannahmen der SPD â ein deutlicher Hinweis an die Parteilinke, es mit der Revitalisierung marxistischer Positionen nicht zu Ăźbertreiben. Die ParteifĂźhrung, insbesondere Wehner und Brandt, machten sich diese Warnungen zu eigen und wussten dabei die Parteimehrheit hinter sich. Die Kommission um Peter von Oertzen berĂźcksichtigte diese Signale und versuchte einen Mittelweg. Das Godesberger Programm sollte nicht revidiert werden, eine einseitig marktwirtschaftliche Lesart des Programms, wie sie in den 1960er Jahren vorgeherrscht habe, hielt sie allerdings ebenfalls fĂźr unangemessen.
Im November 1975 wurde schlieĂlich in Mannheim der zweite Entwurf des Orientierungsrahmens 85 per Parteitagsbeschluss angenommen. Auf dem Parteitag kam es zu längeren Debatten Ăźber die Positionen zu âMarkt und Lenkungâ. Die Parteilinke war mit dem entsprechenden Abschnitt des Orientierungsrahmens nicht einverstanden und brachte Anträge zur Investitionslenkung, zu Investitionsverboten und zur Vergesellschaftung von Produktionsmitteln ein. Nach dieser demonstrativen UnmutsäuĂerung, die am Entwurf nichts änderte, stimmte auch sie dem vorgelegten Entwurf zu, der mit nur zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme verabschiedet wurde.
Der Orientierungsrahmen erreichte keinen handlungsleitenden Status, denn die Ăśkonomischen Rahmenbedingungen verschlechterten sich in einem MaĂ, das selbst die zurĂźckgestutzten Wachstumserwartungen des Orientierungsrahmens zur Makulatur werden lieĂ. Innerparteilich geriet er bald in Vergessenheit. Einzig der Entstehungsprozess des Orientierungsrahmens blieb vielen Beteiligten in positiver Erinnerung. Parteilinke und die Parteirechte hatten sich in einer Ăźberwiegend sachlichen Auseinandersetzung auf einen vorzeigbaren Kompromiss einigen kĂśnnen.cite-ref-38[38]
Berliner Programm von 1989
Noch Ende der 1970er Jahre hatte es Brandt als Parteivorsitzender abgelehnt, Schritte zur Formulierung eines neuen Programms einzuleiten, das jenes von Bad Godesberg ablĂśsen sollte. 1982 verkĂźndete er allerdings, dass die Partei in eine Phase gehen werde, âin der wir Godesberg kritisch abklopfenâ.cite-ref-39[39] Die Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD legte dazu zwei Jahre später einen Bericht vor. Er enthielt eine Reihe von Empfehlungen, welche weiteren Aspekte ein neues Grundsatzprogramm enthalten sollte und welche Passagen des Godesberger Programms zu präzisieren seien. Der beschleunigte technische Wandel, der gravierende Anstieg der Arbeitslosigkeit, Probleme der UmweltzerstĂśrung, die internationale Schuldenkrise, das WettrĂźsten und das Aufkommen der neuen sozialen Bewegungen verlangten demnach neue Antworten.cite-ref-40[40] Ein erster Entwurf lag 1986 vor. Er rief scharfe Kritik linker Sozialdemokraten hervor.cite-ref-41[41]
Eine zweite, von Oskar Lafontaine angefĂźhrte Kommission präsentierte im März 1989 einen Ăźberarbeiteten Entwurf, der Grundlage des vom 18. bis zum 20. Dezember in Berlin tagenden Parteitags wurde. Dieser Parteitag verabschiedete das neue Grundsatzprogramm der SPD, das Berliner Programm. Ăkologische Fragen und Forderungen, der Appell an eine nachhaltige Ausrichtung der Industriegesellschaft, das Bestreben nach Gleichberechtigung der Frau und die Forderung nach einem neuen Rollenverhältnis der Geschlechter, die Ausdehnung der Solidarität auf kommende Generationen, der Wille zur erweiterten Teilhabe der Arbeitnehmer am ProduktivvermĂśgen sowie zum Aus- und Umbau des Sozialstaates kennzeichneten diese Schrift.cite-ref-42[42] Die Grundwerte â Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität â hatten Bestand, auch im Hamburger Programm von Oktober 2007, ebenfalls die Positionierung als âPartei des Volkesâ. Seit dem Berliner Programm ist allerdings der Begriff âlinke Volksparteiâ in den Grundsatzprogrammen verankert.
Wissenschaftliche Bewertungen
20 Jahre nach seiner Verabschiedung hieĂ es in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte zur Bedeutung des Godesberger Programms: âKein anderes Dokument einer politischen Partei der Bundesrepublik hat so kontroverse Stellungnahmen und Interpretationen bewirkt wie dieses Programm.âcite-ref-43[43] Diese reichten auch in wissenschaftlichen Bewertungen von strikter Ablehnung bis hin zur umfassenden BefĂźrwortung.
Anpassung
Diejenigen, die meinten, der zentrale Auftrag der SPD sei die Mitarbeit an der Ăberwindung des kapitalistischen Gesellschaftssystems in (West-)Deutschland, lehnten das Godesberger Programm weitgehend ab.
Historiker der DDR verurteilten das Programm und bewegten sich dabei in den von der SED vorgezeichneten Bahnen. Im âSachwĂśrterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegungâ hieĂ es, das Programm demonstriere die âIntegration der Sozialdemokratie in den Staat des entwickelten staatsmonopolitischen Kapitalismusâ. Mehr noch: Die Autoren behaupteten eine âweitgehende Ăbereinstimmung des Programms mit der Politik des Monopolkapitalsâ. Der âweltanschaulich auf der bĂźrgerlichen idealistischen Philosophieâ beruhende Text sei die âvĂśllige Abkehr von den sozialdemokratischen Zielen und Traditionen in Theorie und Praxisâ.cite-ref-44[44]
Abendroth deutete das Programm als Schlusspunkt eines Anpassungsprozesses. Der Kampf gegen das âoligopolistische Kapitalâ sei von der SPD zu den Akten gelegt worden. âDas Programm ersetzt konkrete soziale Analyse und konkrete Zielsetzung durch den Appell an 'Werte' und Formeln, die jeweils beliebig ausgelegt werden kĂśnnen.âcite-ref-45[45] Nach Gerhard Stuby war das Programm das Ergebnis einer erfolgreichen Politik âproimperialistischer Kräfte in der SPDâ. Deren Zielsetzung sei dabei die ânahtlose ĂberfĂźhrung der SPD in das staatsmonopolistische Herrschaftssystemâ gewesen.cite-ref-46[46]
Ossip K. Flechtheim urteilte gleichfalls scharf ablehnend. FĂźr ihn drĂźckte das Godesberger Programm die âendgĂźltige Unterwerfung unter die restaurative Entwicklung der Bundesrepublikâ aus. Diese habe bereits 1914 mit der Zustimmung der Sozialdemokraten zu den Kriegskrediten begonnen und sich gleichfalls 1933 in der âAnbiederung an den Nationalsozialismusâ gezeigt.cite-ref-47[47] Theo Pirker schrieb die Partei nach Bad Godesberg ab, sie habe aufgehĂśrt, âeine antikapitalistische, sozialistische oder radikaldemokratische Partei zu seinâ.cite-ref-48[48] Aus dem ânationalen Sozialismusâ der Schumacher-Ăra sei ein ânationaler Sozialliberalismus geworden, der aus der Opposition ideologisch einen Appendix der herrschenden Partei machteâ.cite-ref-49[49]
Tilman Fichter und Siegward LÜnnendonker warfen dem Programm vor, das aus Jugend- und Kulturverbänden bestehende sozialdemokratische Milieu vÜllig zu vernachlässigen und die Frage, woher zusätzliche Anhänger gewonnen werden sollten, im Dunkeln zu lassen.cite-ref-fichter-36-1[36]
Die âHerforder Thesenâ der Stamokap-StrĂśmung bei den Jungsozialisten werteten das Programm als Verlust des letzten Einflusses der Linken auf die Parteiorganisation.cite-ref-50[50]
Regierungsfähigkeit
Die programmatischen Entscheidungen von Bad Godesberg wurden von solchen Autoren begrĂźĂt, die die Entwicklung der Partei daran maĂen, inwieweit sie sich auf das parlamentarische System der Bundesrepublik einlieĂ und sich Grundentscheidungen der Nachkriegsentwicklung in Westdeutschland â dazu gehĂśren auch ordnungspolitische Weichenstellungen â zu eigen machte. Diesen Autoren ging es in ihren Urteilen oft darum auszuloten, inwieweit es mit dem Godesberger Programm gelang, das Wählerreservoir auszuschĂśpfen und zu erweitern, um Regierungs- und damit Gestaltungsmacht zu erlangen.
Susanne Miller, Mitautorin einer vielfach aufgelegten Kleinen Geschichte der SPD, die auch bei parteiinternen Schulungszwecken zum Einsatz kam, hob hervor, das Godesberger Programm habe âviel zu einer innerparteilichen Beruhigung und Klärung, vor allem aber zu einem Wandel des Erscheinungsbildes der SPD in der Ăffentlichkeitâ beigetragen. Damit sei die Voraussetzung geschaffen worden, âdas von ihr angestrebte Ziel erreichen zu kĂśnnen: eine von verschiedenen Schichten wählbare âVolksparteiâ zu werden.âcite-ref-51[51] Klaus Lompe urteilte ähnlich. Die Sozialdemokraten gewannen durch die Verabschiedung des Programms âim Inneren ein neues Selbstverständnis und nach auĂen hin ein neues Bild in der Ăffentlichkeit â eine Voraussetzung ihrer Regierungsfähigkeitâ.cite-ref-52[52] Er betonte zudem, das Godesberger Programm sei kein Bruch und auch keine Wende gewesen. Viele programmatische Diskussionslinien der 1940er und 1950er Jahre hätten nach Bad Godesberg gefĂźhrt, das damit âden AbschluĂ einer kontinuierlichen geistigen Entwicklungâ darstelle.cite-ref-53[53]
Diese These vertrat Kurt Klotzbach ebenfalls. In seinen zentralen Aussagen und Forderungen sei das Programm ânichts anderes als eine Konzentration dessen, was fĂźhrende politische und programmatische Sprecher der SPD seit den vierziger Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten vertreten hattenâ.cite-ref-54[54] Die SPD verankerte sich durch das Programm âals freiheitlich-sozialistische Gruppierung fest im pluralistisch-konkurrenzdemokratischen Systemâ. Das die bisherige Parteigeschichte bestimmende Spannungsverhältnis zwischen einer auf SystemĂźberwindung zielenden Theorie und einer pragmatisch-reformorientierten Praxis sei zudem Ăźberwunden worden. Die Ziele ergaben sich nach Klotzbach nun aus den Grundwerten, während die jeweils auszuwählenden und zu erprobenden Mittel davon getrennt blieben.cite-ref-55[55] Detlef Lehnert widersprach an dieser Stelle. Die Spannung von Theorie und Praxis sei keineswegs Ăźberwunden worden. Die SPD habe das neue Programm nur von zu hohen Erwartungen entlastet. Die Orientierung der Partei auf Grundwerte und Grundforderungen sei âvon vornherein nicht auf ihre Realisierung in praktischer Politik ĂźberprĂźfbarâ.cite-ref-56[56]
Helga Grebing betonte ebenfalls die Kontinuität, in der das Programm gestanden habe. Es sei kein Kurswechsel gewesen, âes schrieb vielmehr noch einmal grundsätzlich die Leitlinien fest, zu denen sich die SPD im Jahrzehnt nach der GrĂźndung der Bundesrepublik bereits Schritt fĂźr Schritt durchgerungen hatte.â Es sei jedoch mehr als nur ein Schlussstein gewesen. Die Sozialdemokraten hätten mit diesem Text auch eine âzeitadäquate Antwortâ gefunden auf das âScheitern des humanen Sozialismus in den kommunistischen Staaten Osteuropas, eine Antwort auf die Fähigkeit der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zur Verschiebung ihrer existenziellen Grenzen, eine Antwort auf die sich abzeichnenden Veränderungen in der Sozialstruktur in der Bundesrepublikâ.cite-ref-57[57] Als Defizite des Godesberger Programms galten ihr insbesondere das âblinde Vertrauenâ in die MĂśglichkeiten des Wirtschaftswachstums sowie eine âunreflektierte, wenn nicht gar naive Fortschrittseuphorieâ.cite-ref-58[58]
Christoph Nonn meinte, das Godesberger Programm habe fĂźr eine âEntschlackung des sozialdemokratischen Ideenhaushalts um marxistische Elementeâ gesorgt. Entstandene LĂźcken in der Theorie seien âmit liberalen Elementenâ aufgefĂźllt worden. FĂźr praktische Politik habe es allerdings wenig konkrete Anhaltspunkte geboten.cite-ref-59[59] Nonn arbeitete in seiner Studie insbesondere die Bedeutung der Krise des deutschen Kohlebergbaus heraus, die 1958 begann. Diese habe innerhalb der SPD zu erheblichen Kontroversen zwischen Vertretern einer konsequenten Konsumentenpolitik auf der einen Seite und einer stringenten Interessenpolitik fĂźr Arbeitnehmer, insbesondere der Bergarbeiter, auf der anderen Seite gefĂźhrt. Dieser Konflikt sei nicht ausgetragen, sondern verdrängt worden, weshalb im Godesberger Programm keine Aussagen zur Sozialisierung des Bergbaus zu lesen seien, obwohl diese alte sozialdemokratische Forderung ein Jahr zuvor noch Parteilinie war. In der Nachfolge habe es die SPD vermieden, konfliktträchtige Themen aufzugreifen und voranzutreiben. Stattdessen habe sich die Partei in den 1960er Jahren darauf konzentriert, konsensfähige Politikfelder zu bearbeiten und dort die MeinungsfĂźhrerschaft zu erlangen.
In ihrer Dissertation Ăźber âKonsenskapitalismus und Sozialdemokratieâ arbeitete Julia Angster heraus, dass das Programm auch durch die intensive Auseinandersetzung mit westlichen, insbesondere angloamerikanischen Politik- und Gesellschaftskonzepten entstand. Der Einfluss der amerikanischen Gewerkschaften war in dieser Hinsicht auĂerordentlich relevant. Diese befĂźrworteten die an John Maynard Keynes orientierte politics of productivity (Ăźber hohe Produktivitätszuwächse den Klassenkonflikt Ăźberwinden und die gemeinsame UnterstĂźtzung einer konsequenten Wachstumspolitik erreichen), den Fortschritts- und Wachstumsglauben sowie den Pluralismus als gesellschaftliches Konzept. Durch die jeweils spezifische Adaption dieser Konzeptionen beschritt nicht allein die SPD den Weg der Westernisierung; mit ihr entschieden sich eine ganze Reihe westeuropäischer Arbeiterbewegungen fĂźr diese Neuorientierung.cite-ref-60[60]
Anhang
Literatur
⢠Helga Grebing: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Ăberblick, Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂźnchen 1970.
⢠Helga Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, Teil II, in: Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. Sozialismus â katholische Soziallehre â protestantische Sozialethik. Ein Handbuch, hrsg. von Helga Grebing, 2. Auflage, VS, Verlag fĂźr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 353â595, ISBN 3-531-14752-8.
⢠Siegfried Heimann: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. In: Richard StĂśss (Hrsg.): Parteien-Handbuch. Die Parteien der Bundesrepublik Deutschland 1945-1980. Band II: FDP bis WAV. Mit Beiträgen von JĂźrgen Bacia, Peter Brandt u. a. (Schriften des Zentralinstituts fĂźr sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin, Bd. 39), Westdeutscher Verlag, Opladen 1984, S. 2025â2216, ISBN 3-531-11592-8.
⢠Tobias Hintersatz: Das Godesberger Programm der SPD und die Entwicklung der Partei von 1959â1966. Welche Bedeutung hatte das Godesberger Programm fĂźr die Entwicklung der SPD zur Regierungspartei 1966?, Magisterarbeit an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, (Potsdam) 2006. (PDF, 357 kB)
⢠Kurt Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei. Programmatik, praktische Politik und Organisation der deutschen Sozialdemokratie 1945 bis 1965. Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Berlin/Bonn 1982, ISBN 3-8012-0073-6.
⢠Helmut KĂśser: Die Kontrolle wirtschaftlicher Macht, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 14/74, S. 3â25.
⢠Detlev Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983 (edition suhrkamp, Neue Folge, Bd. 248), Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-11248-1.
⢠Sabine Lemke: Die Rolle der Marxismus-Diskussion im EntstehungsprozeĂ des Godesberger Programms, in: Sven Papcke, Karl Theodor Schuon (Hrsg.): 25 Jahre nach Godesberg. Braucht die SPD ein neues Grundsatzprogramm? (Schriftenreihe der Hochschulinitiative Demokratischer Sozialismus, Bd. 16), Verlag und Versandbuchhandlung Europäische Perspektiven, Berlin 1984, S. 37â52, ISBN 3-89025-010-6.
⢠Klaus Lompe: Zwanzig Jahre Godesberger Programm der SPD, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 46/79, S. 3â24.
⢠Christoph Meyer: Herbert Wehner. Biographie, Deutscher Taschenbuch-Verlag, Mßnchen 2006, ISBN 3-423-24551-4.
⢠Susanne Miller: Die SPD vor und nach Godesberg (Kleine Geschichte der SPD, Band 2, Theorie und Praxis der deutschen Sozialdemokratie), Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1974, ISBN 3-87831-157-5.
⢠Christoph Nonn: Das Godesberger Programm und die Krise des Ruhrbergbaus. Zum Wandel der deutschen Sozialdemokratie von Ollenhauer zu Brandt, in: Vierteljahrshefte fĂźr Zeitgeschichte, 50. Jg. (2002), H. 1, S. 71â97 (PDF).
⢠Peter von Oertzen: Die âwahre Geschichteâ der SPD. Zu den Voraussetzungen und Wirkungen des Godesberger Programms (Pankower Vorträge, Heft 4), Helle Panke, Berlin 1996.
⢠Hartmut Soell: Fritz Erler. Eine politische Biographie, Dietz, Berlin, Bonn-Bad Godesberg 1976, ISBN 3-8012-1100-2.
⢠Gerhard Stuby: Die SPD während der Phase des kalten Krieges bis zum Godesberger Parteitag (1949â1959), in: Jutta von Freyberg, Georg FĂźlberth u. a.: Geschichte der deutschen Sozialdemokratie 1863â1975, zweite, verbesserte Aufl., Pahl-Rugenstein Verlag, KĂśln 1977, S. 307â363.
Weblinks
⢠Godesberger Programm, online (Memento vom 23. Juli 2014 im Internet Archive) einsehbar auf der Internetseite des Deutschen Historischen Museums (mittlerweile im Internet Archive).
⢠Godesberger Programm als PDF-Datei auf der Webpräsenz der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn (1,09 MB)
⢠Norbert Seitz: Anpassung an die Wirklichkeit. Vor 50 Jahren wurde das Godesberger Programm der SPD verabschiedet. Sendung des Deutschlandfunks vom 13. November 2009.
⢠13. November 1959: Der SPD-Parteitag in Bad Godesberg beginnt Zusammenfassung des Radio-Podcast von Christoph Vormweg, gesendet auf WDR 5 am 13. November 2009.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Die Einschätzung, das Heidelberger Programm sei in entscheidenden Teilen eine Neuauflage des Erfurter Programms, findet sich bei Miller: Die SPD vor und nach Godesberg, S. 12. Zum Heidelberger Programm ausfĂźhrlich Heinrich August Winkler: Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. Der Schein der Normalität. 1924â1930, Dietz, Berlin/Bonn 1985, S. 320â327, ISBN 3-8012-0094-9. Auch Winkler betont hier weitgehende Parallelen der beiden Programme. Siehe S. 321 und 327.
cite-note-22. â Zitiert nach Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2047.
cite-note-33. â Zur beanspruchten FĂźhrungsrolle und der angestrebten Attraktivität der SPD fĂźr soziale Kreise Ăźber die Arbeiterschaft hinaus siehe Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2048.
cite-note-44. â Zur Bedeutung Schumachers fĂźr die Politik und das Programm der Nachkriegs-SPD siehe Miller: Die SPD vor und nach Godesberg, S. 9â30. Zitat âkonservativ, klerikal âŚâ bei Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, S. 177.
cite-note-55. â Zur Prinzipienerklärung der Sozialistischen Internationale siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 438, Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 259 f und Sabine Lemke: Die Rolle der Marxismus-Diskussion im EntstehungsprozeĂ des Godesberger Programms, S. 41 f.
cite-note-66. â Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 262.
cite-note-77. â Zum Dortmunder Aktionsprogramm siehe Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 260â264 sowie Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 438 f.
cite-note-88. â Hierzu Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 320 f und Sabine Lemke: Die Rolle der Marxismus-Diskussion im EntstehungsprozeĂ des Godesberger Programms, S. 45.
cite-note-99. â Zitiert nach Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 440.
cite-note-1010. â Karl Schiller auf der Wirtschaftspolitischen Tagung der SPD im Februar 1953, zitiert nach Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2056.
cite-note-1111. â Zur Berliner Fassung des Aktionsprogramms siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 439 f und Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 319â324.
cite-note-1212. â Zu den politischen BefĂźrchtungen in SPD-Kreisen nach der Bundestagswahl von 1957 siehe Christoph Nonn: Das Godesberger Programm und die Krise des Ruhrbergbaus, S. 72 f, Zitat Hamburger Sozialdemokraten dort S. 73.
cite-note-1313. â Zur Bedeutung von Deist fĂźr das Godesberger Programm siehe insbesondere Helmut KĂśser: Die Kontrolle wirtschaftlicher Macht, S. 8â22 und Christoph Nonn: Das Godesberger Programm und die Krise des Ruhrbergbaus, S. 79 ff.
cite-note-1414. â Informationen zur Programmentwicklung vom Berliner Parteitag 1954 bis zum Godesberger Parteitag 1959 bei Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 440 f und Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2058 f. GrĂźndlich hierzu Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei: Arbeit der GroĂen Programmkommission bis zum Stuttgarter Parteitag (S. 433â440); organisatorische und personelle Entscheidungen des Stuttgarter Parteitags (S. 421â431); Programmdiskussion auf dem Stuttgarter Parteitag (S. 440â442); Programmarbeit vom Stuttgarter Parteitag bis zum Parteitag in Godesberg (S. 442â447). Zum Wechsel an der Fraktionsspitze im Oktober siehe Meyer: Herbert Wehner, S. 208 f und Soell: Fritz Erler, S. 300â302.
cite-note-1616. â Zum Parteitag siehe Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 448 f sowie Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2061. Zum gespannten Verhältnis von Sozialdemokraten zu den Kirchen siehe Hintersatz: Das Godesberger Programm der SPD und die Entwicklung der Partei von 1959â1966, S. 44.
cite-note-1717. â Online einsehbar auf der Internetseite des Deutschen Historischen Museums sowie als PDF-Datei auf der Webpräsenz der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn.
cite-note-1818. â Die Ăbersicht Ăźber die wesentliche Aspekte des Godesberger Programms stĂźtzt sich auf Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2061â2063.
cite-note-1919. â Zu den damals aktuellen innerparteilichen Kontroversen um die sozialdemokratische Wirtschaftspolitik im Angesicht der Bergbaukrise siehe Christoph Nonn: Das Godesberger Programm und die Krise des Ruhrbergbaus.
cite-note-2020. â Zu Abendroths Gegenentwurf siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 447â449, dort auch alle Zitate Abendroths.
cite-note-2121. â Zum Gegenentwurf von Oertzens siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 449â451, dort auch die Zitate von Oertzens.
cite-note-2222. â In AuszĂźgen zitiert bei Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 448 f, Anm. 460.
cite-note-2323. â Brandts Einschätzung bei Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 449.
cite-note-2424. â Belege fĂźr Stellungnahmen von Eichler, Schmid und Erler bei Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 445.
cite-note-2525. â Zu dieser Kritik von Wolfgang Abendroth siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 447, dort auch die Abendroth-Zitate.
cite-note-2626. â Zu dieser Kritik von Oertzens siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 450, dort auch die Zitate von Oertzens.
cite-note-2727. â Zur Reaktion der CDU siehe Hintersatz: Das Godesberger Programm der SPD und die Entwicklung der Partei von 1959â1966, S. 53 f. Das Zitat zur âmarxistischen Machtergreifungâ findet sich bei Hartmut Soell: Fritz Erler, S. 328 und S. 640, Anm. 470.
cite-note-2828. â Zur Reaktion der Liberalen siehe Hintersatz: Das Godesberger Programm der SPD und die Entwicklung der Partei von 1959â1966, S. 54, dort auch das Zitat.
cite-note-2929. â Zu den Reaktionen von FAZ, Die Welt und Frankfurter Rundschau siehe Hintersatz: Das Godesberger Programm der SPD und die Entwicklung der Partei von 1959â1966, S. 54â56.
cite-note-3030. â Siehe Miller: Die SPD vor und nach Godesberg, S. 39.
cite-note-3131. â Vgl. Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, S. 182 f.
cite-note-3232. â Vgl. Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, S. 194.
cite-note-3333. â Zur Gemeinsamkeits-Politik siehe Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 497â532.
cite-note-3434. â Zur Rede Wehners am 30. Juni 1960 siehe Meyer: Herbert Wehner, S. 230â336. Ausschnitte der Tonbandaufzeichnung dieser Rede in der Microsoft Encarta.
cite-note-3535. â Zur Abgrenzung nach links siehe Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2110 f und S. 2166 f. Information zum Ausschluss von Flechtheim bei Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 470.
cite-note-fichter-3636. â Tilman Fichter, Siegward LĂśnnendonker: Kleine Geschichte des SDS. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke, Erstausgabe Berlin 1977, S. 64â70.
cite-note-3737. â Zur Programmgeschichte der SPD in den 1960er Jahren siehe Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2069â2072.
cite-note-3838. â Zur Programmdebatte in der SPD bis zum Mannheimer Parteitag von November 1975, zum Orientierungsrahmen selbst und zur praktischen und innerparteilichen Bedeutung des Textes siehe Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2075â2085 sowie Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 492â496.
cite-note-3939. â Zitiert nach Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 556.
cite-note-4040. â Zu den Empfehlungen der Grundwertekommission siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 557 f.
cite-note-4141. â Zu den Inhalten ihrer Kritik siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 579 f.
cite-note-4242. â Zum Berliner Programm siehe Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 580â584.
cite-note-4343. â Lompe: Zwanzig Jahre Godesberger Programm der SPD, S. 3.
cite-note-4444. â Artikel âGodesberger Parteitag der Sozialdemokratischen Partei (West-)Deutschlands 1959â, in: âSachwĂśrterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegungâ. Hrsg. von Horst Bartel, Herbert Bertsch u. a., Band 1, AâK, Dietz, Berlin (DDR) 1969, S. 719â721.
cite-note-4545. â Wolfgang Abendroth: âAufstieg und Krise der deutschen Sozialdemokratie. Das Problem der Zweckentfremdung einer politischen Partei durch Anpassungstendenz von Institutionen an vorgegebene Machtverhältnisseâ, Vierte, erweiterte Aufl., Pahl-Rugenstein Verlag, KĂśln 1978. S. 74.
cite-note-4646. â Stuby: Die SPD während des Phase des kalten Krieges bis zum Godesberger Parteitag (1949â1959), S. 355.
cite-note-4747. â Ossip K. Flechtheim: Die Anpassung der SPD: 1914, 1933 und 1959. In: KĂślner Zeitschrift fĂźr Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 17 (1965), Heft 3, S. 584â604, zitiert nach Lompe: Zwanzig Jahre Godesberger Programm der SPD, S. 8, Anm. 27.
cite-note-4848. â Theo Pirker: Die SPD nach Hitler. Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands 1945-1964, RĂźtten & Loening, MĂźnchen 1965, zitiert nach Heimann: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, S. 2065.
cite-note-4949. â Theo Pirker: Die SPD nach Hitler. Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands 1945â1964, RĂźtten & Loening, MĂźnchen 1965, zitiert nach Grebing, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, S. 247.
cite-note-5050. â Herforder Thesen. Zur Arbeit von Marxisten in der SPD. Berlin SPW-Verlag 1980, ISBN 3-922489-00-1, S. 86 (online (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)).
cite-note-5151. â Miller: Die SPD vor und nach Godesberg, S. 38.
cite-note-5252. â Lompe: Zwanzig Jahre Godesberger Programm der SPD, S. 4.
cite-note-5353. â Lompe: Zwanzig Jahre Godesberger Programm der SPD, S. 9.
cite-note-5454. â Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 449 f.
cite-note-5555. â Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei, S. 599. Zum gespannten Verhältnis von Theorie und Praxis in der SPD siehe ausfĂźhrlich ebenda, S. 25â31.
cite-note-5656. â Lehnert: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, S. 191.
cite-note-5757. â Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 443 f.
cite-note-5858. â Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, S. 444.
cite-note-5959. â Christoph Nonn: Das Godesberger Programm und die Krise des Ruhrbergbaus, S. 72.
cite-note-6060. â Julia Angster: Konsenskapitalismus und Sozialdemokratie. Die Westernisierung von SPD und DGB (Ordnungssysteme, Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit, Band 13). Oldenbourg, MĂźnchen 2003, S. 416, S. 424 und S. 428, ISBN 3-486-56676-8.